Lockdown Light - Was bedeutet er für die Tanzszene?
Tanztrends, Wissenswertes

Lockdown light – Was bedeutet er für die Tanzszene?

Der Beschluss am 28. Oktober 2020 dürfte viele Menschen in einen Schockzustand versetzt haben. Ab dem 02. November wird es einen zweiten Lockdown geben, einen Lockdown light. Aber wird dieser Lockdown auch genauso “light” ausfallen? Heute möchten wir Dir einen Überblick über die Probleme geben, mit denen sich die Tanzszene nun auseinander setzen muss.

Tanzschulen

Schon nach dem ersten Lockdown standen die Tanzschulen vor einigen Problemen. Neben Umsatzeinbußen, da die Tanzschulbetreiber die Tanzschulen nicht im Lockdown öffnen durften, mussten sie nach dem Lockdown strenge Maßnahmen umsetzen, um überhaupt eine Öffnung wieder zu ermöglichen. So mussten die Tanzschulen eine geeignete Kontaktnachverfolgung gewährleisten und ihre Tanzschule so umstrukturieren, dass zu jeder Zeit zwischen Personen der Mindestabstand von 1,5 m aufrecht erhalten werden konnte. Des Weiteren mussten Toiletten mit geeigneten Schildern versehen werden, eine Spuckschutzwand an den Kassen aufgestellt werden und eine Mindestteilnehmeranzahl pro Kurs festgelegt werden. Zudem musste die Tanzschule darauf achten, dass der Tanzlehrer keinen Körperkontakt zu seinen Tanzschülern hat. Sowieso durften nur Tanzpaare zusammen tanzen, die entweder aus dem gleichen Haushalt kamen oder schon lange feste Tanzpartner waren. Fast 3000 Tanzschulinhaber und -mitarbeitende mussten an Hygieneschulungen teilnehmen.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass wir von MIRABESQUE diese Maßnahmen nicht verteufeln. Im Gegenteil, uns ist es wichtig, dass jeder Mensch möglichst lange gesund bleibt und wir mit Hilfe der Maßnahmen diese Krise gemeinsam bewältigen können. Allerdings ist die Kehrseite der Medaille dieses Schutzes, dass die Tanzschulen erhebliche Investitionen tätigen mussten, um uns ein halbwegs sicheres Tanzvergnügen zu ermöglichen. Nun ist alles wieder hinfällig. Ab 02. November müssen die Tanzschulen bis Ende des Monats schließen. Angefangene Tanzkurse müssen wieder unterbrochen werden, Gehälter für die Tanzlehrer und Mitarbeiter fallen aus und die laufenden Kosten müssen wieder von der Tanzschule aufgefangen werden, ohne auf der anderen Seite Einnahmen zu haben.

Die einzige Möglichkeit für Tanzschulen wird wohl sein, ihr Angebot wieder online anzubieten. Viele Tanzschulen haben schon den Sprung in die digitale Welt erfolgreich geschafft. Allerdings bleibt damit auch eine wichtige Komponente beim Tanzen auf der Strecke: das Miteinander. Tanz verbindet und bringt die Menschen zusammen. Vor dem Bildschirm ist es einfach nicht dasselbe wie “analog”.

Professionelle Tänzer

Auch die professionellen Tänzer stehen vor erheblichen Problemen. Selbst nach dem ersten Lockdown waren Tanzdarbietungen wie z.B. Ballettaufführungen in größerem Rahmen nicht mehr möglich. Proben für neue Produktionen wurden verschoben, die meisten Aufführungen wurden abgesagt. Alle warteten auf den Herbst und den Beginn der neuen Spielzeit. Nun ist der Herbst da und mit ihm der Lockdown light. Auch dieses Mal besteht keine Möglichkeit, Darbietungen aufzuführen, da die Theater ab dem 02. November wieder schließen müssen.

Zudem sind viele Tänzer und Tanzstudenten während des ersten Lockdowns in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Aber gerade die Oper und der Tanz waren von jeher eine internationale Angelegenheit. Nicht selten tanzen in einem Ensemble wie Mainz oder Cottbus mehr als zwanzig Nationalitäten zusammen. Für die freien Regisseure und Choreographen, deren Inszenierungen häufig als Koproduktionen in mehreren Ländern entstehen, ist die Lage noch ernster. Sie können ihren Beruf quasi nur noch eingeschränkt ausüben.

Sowieso fragt sich, wie viele Tänzer überhaupt noch ein Engagement in dieser Zeit finden werden. Zwar bekommt ein Tänzer, der bei einem Theater unter Vertrag ist, auch irgendwann sein Geld. Allerdings bedeuten die aufgeschobenen Produktionen auch aufgeschobene Zahlungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Leben eines professionellen Tänzers ist das Training. Durch den Lockdown entfielen die Proben und dadurch auch die Möglichkeit, den Körper fit zu halten. Gerade als professioneller Tänzer muss man auf seinen Körper achten und täglich trainieren. Der Körper ist das Kapital jedes Tänzers. Zwar haben viele Tänzer versucht, in ihren eigenen vier Wänden z.B. mit einer transportablen Ballettstange, ihr Training fortzusetzen. Allerdings kann es nicht ein echtes Training ersetzen. Gerade auch aus dem Grund, da man so keine Figuren wie z.B. Hebefiguren üben kann.

Hallenbetreiber und Theater

Wie oben schon angesprochen müssen auch die Theater ab dem 02. November schließen. Ähnlich wie auch bei den Tanzschulen sehen sich die Theater laufenden Kosten gegenüber, ohne entsprechende Einnahmen zu erzielen. Die Gehälter der Mitarbeiter müssen bezahlt und die Instandhaltung der meist historischen Theatersäle gesichert werden. Zudem haben auch die Theater Investitionen in Maßnahmen getätigt, um den Besuchern nach dem ersten Lockdown einen sicheren Theaterbesuch zu ermöglichen.

Ebenso fragt sich, ob die Theater überhaupt noch in nächster Zeit neue Produktionen umsetzen können. Ihnen fehlen die internationalen Tänzer und Choreografen, um große Produktionen umzusetzen. Zudem dürfte das Budget für neue Produktionen eher niedrig ausfallen.

Da nach dem ersten Lockdown Großveranstaltungen generell verboten worden sind, stehen auch die Hallenbetreiber vor großen Problemen. Ähnlich wie die Theater müssen auch die Hallenbetreiber für die Instandhaltung der Hallen aufkommen, erzielen aber im Gegenzug keine Einnahmen. Bis Ende Juni sind Einnahmen in Höhe von 10 Millionen Euro weggefallen. Tendenz steigend. Die Hallenbetreiber haben durch den Ausfall der größeren Tanzproduktionen quasi ihre Geschäftsgrundlage verloren. Zudem ist nicht abzusehen, wann wieder größere Events stattfinden können. Selbst nach dem Lockdown light werden wohl lange keine solchen Events mehr durchführbar sein.

Eventmanager

Eine weitere Branche, die erheblich unter dem ersten Lockdown gelitten hat, ist die Eventbranche. Events konnten nur noch unter extremen Auflagen stattfinden oder wurden komplett abgesagt. Durch die Einschränkungen wegen der Maßnahmen waren manche Events aber stellenweise nicht mehr rentabel. Viele Events wurden aus diesem Grund in den Onlinebereich verlegt. Aber auch dies funktionierte nur eingeschränkt. Tanzevents lassen sich z.B. eher schwierig online umsetzen. Nun, mit dem zweiten Lockdown werden wahrscheinlich auch wieder viele Events abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben. Allerdings dürfte das nächste Jahre kaum ausreichen, um alle ausgefallenen Events nachzuholen.

Fazit

Der Tanzszene steht insgesamt gesehen eine schwierige Zeit bevor. Die Lösung scheint zu sein, auf digitale Angebote zu setzen. Allerdings können diese das “analoge” Angebot niemals gänzlich ersetzen. Die Tanzszene lebt von dem Miteinander. Egal ob als Zuschauer, der einer wahnsinnig tollen Darbietung applaudiert oder als Tänzer, der davon zu Höchstleistungen beflügelt wird. Die Tanzszene braucht die Menschen vor Ort. Am Ende bleibt allein die Hoffnung. Die Hoffnung auf eine bessere Zeit. Lasst uns gemeinsam dieser Zeit entgegenfiebern und bleibt bis dahin gesund!

 

Möchtest Du dich weiter zu diesem Thema informieren? Wir hatten schon beim ersten Lockdown einen Artikel dazu verfasst: Corona – Folgen und Tipps für die Tanzschule

Hier auch nochmal ein interessanter Artikel zur Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Corona-Pandemie: Wissenschaftliche Analyse der Corona Pandemie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.